Rubriek: Plaatselijke Geschiedenis
Bladzijden: 113
Jaar: 1989
Nr. catalogus: JD-pg-02

Vorwort

Im Jahre 1981 feierte die im westlichen Münsterland gelegene Gemeinde Südlohn ein Doppeljubiläum: Sowohl die politische Gemeinde als auch die katholische Pfarrei St. Vitus bestanden 750 Jahre. Eine aus diesem Anlass erschienene Festschrift, welche neben Fotos eine knappe historische Übersicht darbot, sollte nach dem Wunsch der Herausgeber ein neues Geschichtsbewusstsein erschliessen.
Indes sind dem Geschichtsbewusstsein Grenzen gesetzt, wenn die jüngste Geschichte Lücken aufweist. In diesem Falle betraf es eine Minderheit, welche ebenfalls im Jahre 1981 Grund zu einem Doppeljubiläum gehabt hätte: Die Jüdische Gemeinde. Sie konstituierte sich am 12. Juli 1856 innerhalb des Synagogen-Bezirks Ahaus als „Untergemeinde Stadtlohn inclusive Südlohn" und besass 1881 bereits ein eigenes bescheidenes Bethaus, welches 1938 ohne Einwilligung der Besitzer abgerissen wurde. Die Jüdische Gemeinde hörte auf zu existieren, nachdem die mehr als hundert Jahre in Südlohn beheimateten Familien unter Zurücklassung ihrer Habe mit „unbekanntem" Ziel nach dem Osten „abgewandert" waren. Über ihr Schicksal entschied am 20. Januar 1942 in einer Villa am Berliner Wannsee eine Konferenz von Spitzenvertretern oberster Reichs- und Parteidienststellen mit dem Ziel, grundsätzliche Fragen der „Endlösung der Judenfrage" zu klären und die Zusammenarbeit aller Instanzen zu sichern. An der Bereitschaft zur „Zusammenarbeit" mangelte es nicht, wie im Brief eines Ortsgruppenleiters nachzulesen ist: „Der Jude ist ein Volksschädling und darum muss er ausgerottet werden." Befriedigt konnte also 1943 der Reichsführer SS feststellen, dass diese Ausrottung „ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte" sei.
Ein neues Geschichtsbewusstsein kann an diesem „Ruhmesblatt unserer Geschichte" nicht vorübergehen. Wer sich der geschichtlichen Wahrheit verpflichtet fühlt, muss neben den Erfahrungen, Entscheidungen und Bemühungen auch die Fehler der Vergangenheit berücksichtigen, um die Weichen für die Zukunft stellen zu können. NIE GEHÖRT soll ein Beitrag dazu sein.